Eine Reise ins „Dia-Land“…

2009 wurde ich zum unfreiwilligen Auswanderer. Ich war auf einer Reise zum süßesten Land der Welt. Die Reise begann eher zufällig und ohne, dass ich es wusste. Anfangs bemerkte ich noch nicht einmal, dass ich mich bereits auf Reisen befand, doch ich war unterwegs. Ich hatte das Gefühl, gut ein Jahr lang auf einer Art Safari zu sein. Irgendwo, wo es anstrengend und sehr warm und trocken war. Ich fühlte mich schlapp, hatte ständig Durst und nahm einfach so jede Menge ab. Irgendwann kam mir die Reise „spanisch“ vor und ich fragte einen Ortskundigen mit medizinischem Wissen nach dem Weg. Erst mit Nachdruck schaute er sich meine Reiseroute mal genauer an. Mit Erschrecken stellten er und ich fest, dass ich im „Dia-Land“ angekommen war. Plötzlich wurde mir klar, ich bin nun ein Bewohner der drittgrößten Nation der Welt und dass es auch kein Zurück mehr gibt. Ein einheimischer Medizinmann legte mir zunächst einige Verhaltensregeln nahe, besorgte und erklärte mir einige Hilfsmittel. Er vermittelte mir einen Kurs, der mir das Leben und die Sprache im „Dia-Land“ etwas näherbringen sollte. Der anfängliche Schock wich nicht so schnell. Ich war jetzt also in einem neuen Land und wusste nicht, was mit mir so passieren würde. Kein Rückfahrticket? Puh…

Es hat eine Weile gedauert, bis ich mich mit dem Gedanken angefreundet hatte. Aber den Kopf in den Sand stecken ist nicht meine Art. Also auf, um Land und Leute kennenzulernen. Mir fiel ein, dass ich bereits einen Diabetiker (so nennen wir uns im Dia-Land) kannte. Ich bin mit ihm damals zusammen zur Schule gegangen. Ich wusste zwar damals schon, dass er einer von "denen" ist, aber mehr Gedanken hatte ich mir nicht gemacht. Also habe ich Kontakt aufgenommen. Schnell musste ich feststellen, dass es viele nette Leute hier im Dia-Land gibt. Es wird auch eine eigene Sprache gesprochen. Es hat eine Weile gedauert, die Sprache zu lernen. Es werden sogar verschiedene Dialekte gesprochen. "Penner", "Pumper" und "CGM" sind die drei wichtigsten Dialekte, die ich bisher lernen konnte.

Mir ist aufgefallen, dass die Nation sehr tolerant und diszipliniert ist. Dem aufmerksamen und engagierten Diabetiker bietet die Nation viele interessante Möglichkeiten, sich im Land zurechtzufinden. Es ist sehr technikorientiert und geht stets mit der Entwicklung. Leider sind die meisten Diabetiker von Zahlungen einer gewissen Institution abhängig, die ihnen das Leben im Dia-Land ermöglicht. In den meisten Fällen ist nur eine Grundversorgung gesichert und für Innovationen sowie neue Wege fehlt oft das Geld.

Nach einigen Jahren im Dia-Land komme ich hier nun sehr gut zurecht, spreche gleich zwei Dialekte fließend und kenne mich mit ihrem Rechtssystem relativ gut aus. Ich habe hier Freunde gefunden und schon einige tolle Aktionen mit ihnen unternommen. Als Diabetiker ist es jedoch manchmal etwas schwierig andere Länder zu bereisen, weil man dabei das Dia-Land nie so richtig verlassen kann. Aber das hindert mich nicht meinen Weg zu gehen.

Fazit: Mit etwas Disziplin und Engagement lebt es sich hier ganz gut. Wir Diabetiker sollten zusammenhalten, uns motivieren und voneinander lernen! Auch wenn wir besonders sind, sind wir doch wie alle anderen Menschen. Und es gibt viele, die das viel schwerere Los im Leben gezogen haben. Also Brust raus, Kopf hoch und genießt jede freie Minute! :-)

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