Wir sind unter Euch und wir sind viele

Hallo!! Hier schreibt Sascha von sugartweaks.de

Nach aktuellen Statistiken sind weltweit ca. 384 Millionen Menschen von Diabetes betroffen. Das sind schon jetzt etwas mehr als 5% der Weltbevölkerung. Und die Zahlen steigen stetig.Nehmen wir nun einmal an, es gäbe ein Land namens „Diabetes“. Dieses Land würde in der Top 10 der bevölkerungsreichsten Länder aktuell den dritten Platz belegen. Also direkt nach China und Indien und weit vor den USA oder gar Deutschland.

Über die Wahrnehmung von Diabetes.

Angesichts dieser alarmierenden Zahlen frage ich mich, warum Diabetes in der Öffentlichkeit noch immer so wenig wahrgenommen oder nur stiefmütterlich behandelt wird. Klar, ich schreibe dieses aus der Sicht eines von Diabetes betroffenen Menschen. Vor meiner Diagnose hatte ich auch keinen blassen Schimmer davon was Diabetes ist. Ich wusste, dass es diese Krankheit gibt und es irgendwas mit Blutzuckerwerten zu tun hat und das war es dann auch schon. Ich war ja (noch) nicht betroffen und Diabetes hatten immer nur die anderen. Warum sollte ich mir also Gedanken darüber machen. Von daher erwarte ich auch nicht von jedem, dass er zu 100% über Diabetes informiert ist.

Was mich jedoch schon ein wenig ärgert ist, dass viele Aussagen zu Diabetes sinngemäß so klingen:

„Okay, Diabetes ist Scheisse aber damit kann man doch heutzutage gut leben. Da gibt es weitaus Schlimmeres.“  

Kurz gesagt bekommt man den Eindruck, dass Diabetes in der gleichen Liga eingeordnet wird wie eine „Sommer Grippe“ oder eine Allergie.

Beruflich bedingt bin ich selber häufig auf Konzerten, Events oder anderen Massenveranstaltungen unterwegs. Häufig frage ich mich, wie viele Diabetiker wohl gerade anwesend sind und versuche die oben erwähnten Zahlen auf das anwesende Publikum herunter zu brechen. Witziger Weise achte ich mittlerweile viel stärker auf „Diabetes Hinweise“. Immer öfter entdecke ich Insulinpumpen, CGM Systeme, Blutzuckermessgeräte oder einfach nur weggeworfene Teststreifen.

Diabetes ist nun keine Krankheit die man einem Betroffenen direkt ansieht. Ganz im Gegenteil. Der Verlauf ist schleichend und heimtückisch, denn das gefährliche ist nicht der Diabetes selber, sondern die Schäden und langfristigen Spätfolgen die dieses Biest verursachen kann bzw. nach sich zieht. Auf dem ersten Blick sieht man es den Diabetikern nicht an, mit was er tagtäglich rumärgern muss.
Dazu kommt noch, dass nicht jeder Mensch mit Diabetes diesen gerne zur Schau trägt. Das hat sicherlich viele gute Gründe. Dennoch erkennt man als Typ1 Diabetiker hin und wieder seine Leidensgenossen. Und das sind gar nicht wenige.

Ist man von Diabetes nicht betroffen, hat man naturgemäss auch keine dahin gehend geschärfte Wahrnehmung seines Umfeldes. Klar weiss man, dass es uns gibt, aber es fällt halt keinem unmittelbar auf. Dieser Umstand erinnert mich oft an den Horror Film „ Sie leben “ aus den 80er Jahren von John Carpenter.
Im Film kann der Hauptdarsteller, mit Hilfe eine speziellen Sonnenbrille, Außerirdische sehen die sich frei innerhalb der Bevölkerung bewegen und deren Ziel es ist die Menschheit zu versklaven. Zugegeben, der Vergleich ist überzogen und hinkt etwas, beschreibt aber meiner Meinung nach recht treffend die Wahrnehmung von Diabetes hierzulande.

„Sie sind unter uns“ und „Sie kosten uns viel Geld“

Was wäre wenn Diabetes ein Land wäre ?

Bis dato macht die Zahl der Diabetiker in unserem schönen Land schon einen Anteil von 7 % der Gesamtbevölkerung aus. Doch dieser Anteil wird in Zukunft Aufgrund der immer noch steigenden Diabetes Neuerkrankungen immer grösser werden.

Stellen wir uns also vor es gäbe tatsächlich ein Land dessen Bevölkerung ausschliesslich aus Diabetikern bestehen würde. Jeder Einwohner egal ob jung oder alt hätte in irgendeiner Form mit Diabetes zu kämpfen. Kurz gesagt ein Land, dessen wirtschaftlicher Erfolg in unmittelbaren Zusammenhang mit der Volksgesundheit steht.

Wie sähe wohl das tägliche Leben in diesem Land aus? 

Würde man sich als Einwohners dieses Landes auch benachteiligt, unverstanden oder schlecht versorgt fühlen? 

Müsste man in diesem Land dann auch mit Vorurteilen leben, die einem suggerieren,
dass man an seiner Erkrankung ja selbst die grösste Schuld trägt ?

Wie sähe es dort mit der gesundheitlichen Versorgung aus? 

Würde man dort auch regelrecht betteln müssen, um die benötigten Hilfsmittel zur
Behandlung seiner Krankheit in ausreichender Menge und Qualität zu bekommen?

Würde auch dort nur das absolut nötigste getan, um die Krankheit einzudämmen? 

Könnte es sich die Regierung dieses Land leisten, vor der Krankheit die Augen zu verschliessen?

Hätte man als Diabetiker dort auch das Gefühl gegen Windmühlen zu kämpfen
oder würde es ein weitaus stärkeres „Gemeinschafts Gefühl“ geben? 

Würde Prävention dort eine grössere Rolle spielen?

Zurück ins hier und jetzt.

Gut, bisher war alles das reine Fiktion. 

Es gibt kein Land namens „Diabetes“. Was es allerdings sehr wohl gibt, ist die weltweit steigende Anzahl von Menschen mit Diabetes. Glücklicher Weise hat auch nicht jeder Einwohner Deutschlands Diabetes. Das Glück der einen, bedeutet aber im Umkehrschluss auch das Pech der anderen. Und als hätte man als chronisch Kranker nicht schon genug Pech, sieht man sich zudem oft einer öffentlichen Haltung ausgesetzt, die uns Diabetiker maximal als Kostenfaktor beschreibt.

Auch wenn es mittlerweile vielversprechende Ansätze der Wissenschaft gibt die Krankheit zu behandeln, ist der Auslöser der Stoffwechselkrankheit immer noch nicht gefunden, und eine kurzfristige Heilung nicht in Sicht.
Bis dahin gilt es Diabetes weiter in den Focus der Öffentlichkeit zu rücken, aufzuklären und zu informieren.

Ich wünsche Euch allen einen grossartigen Welt Diabetes Tag 2013

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